Goldlöckchens Visionen

 

 

200806-02

 

Goldlöckchens Visionen

 

2008

 

Acryl auf Leinen

60 x 80

 

 

 

aus der Ausstellung

„Fantasia“ 2008

von Wedding Art 

 

 

Wer abstrakt malt, wird oft gefragt, ob das Bild denn auch richtig herum an der Wand hängt.

 

Es ist gerade in der heutigen Zeit des ewigen Herumhetzens durchaus verständlich, wenn man meint keine Zeit zu haben, sich entspannt in ein abstraktes Bild hinein zu versetzen, die mutmaßlichen Gedanken des Malers zu erschließen sucht oder gar seine eigenen Fantasien darin finden kann. Kein Wunder, wenn in einer solchen Zeit die „Realität“ wieder mehr Beachtung findet! Aber wer nur immer real sieht und denkt, dessen Fantasie mag früher oder später versiegen.Was aber will uns „Goldlöckchens Visionen“ (eventuell) sagen?

 

Vielleicht stellt es Schneewittchen (links) dar, das bei den sieben Zwergen (unten) aufgenommen wurde, die böse Stiefmutter (rechts oben), die in ihren Spiegel starrt, aber dabei immer wieder auf die Schönheit ihrer Stieftochter schauen muß?

 

Vielleicht will es auch eine Art Zyklus der Menschen aufzeigen? Natürlich dann gegen den Uhrzeigersinn! Eine möglicherweise glückliche Frau (Goldlöckchen) betrachte friedlich spielende Kinder und wird ihrerseits von einer neidischen Gestalt mit extrem boshaften Gedanken beobachtet. Diese Gedanken nehmen Gestalt an und schon greift eine gierige, blutrote Hand nach dem vermeintlichen Glück, um es zu zerstören: durch eine gewaltige Explosion  werden aus spielenden Kindern im Nu  herum gewirbelte Leichenteile… kommt uns irgendwie bekannt vor?

 

Natürlich kann auch ein vollkommen anderer Eindruck entstehen, vielleicht sogar mit etwas weniger Neid und Hass – jedenfalls wenn nicht gerader nebenbei der obligate Fernsehapparat läuft und uns ununterbrochen über die vielfältigen, höchst aufrichtig inszenierten  Friedensbemühungen auf dieser Welt „benachrichtigt“...

…wäre das nicht einen spontanen Versuch wert?!

 

Tja, vielleicht ist es (für eine große Mehrheit) auch wirklich „besser“ in dieser Art der Kunst einfach nur „wirres Zeug“ zu erkennen und lieber brav dem stillen Diktat der Multimediazeit zu folgen, statt solch finstere Gedanken so nahe an sich heran und vielleicht auch gar noch in sich hinein kommen zu lassen?

Wer sich in einer entsprechend „wohl behüteten“ Naivität tatsächlich zurecht finden kann, ist (zumindest manchmal) wirklich nur zu beneiden!

 

 

koe 2014-02-18

 

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